Die Otto - Ubbelohde - Schule

Am 10.10.1887 wurde der neue Schulbau der "Vereinigten Knabenbürgerschule" in der Schulstraße 3 in einer Feierstunde öffentlich eingeweiht. Zwar war die Schule ausschließlich für Jungen bestimmt, aber im gleichen Gebäude hatte man auch 3 Klassen der benachbarten Mädchenbürgerschule untergebracht.
Die "Vereinigte Knabenbürgerschule" war 1828 durch die Zusammenlegung der lutherischen und der reformierten Stadtschule entstanden und zuerst in einem Gebäude am lutherischen Kirchhof an der Stelle des alten Stadtschulhauses bzw. ab 1873 im ehemaligen Haus des Kaufmanns Erlanger in der Untergasse untergebracht. Die Marburger Stadtschule, die im Kern in der heutigen Ubbelohde - Schule erhalten geblieben ist, bestand seit etwa 1235. Ab 1648 gab es dann zwei Stadtschulen, die alte lutherische und die neue reformierte, die 1828 zusammengeführt worden waren.

Im Schuljahr 1906/07 wandelte man die Knabenbürgerschule in die "Volksschule Süd" um, welche nun alle Jungen und Mädchen der südlichen Stadthälfte, aber natürlich weiter in getrennten Klassen, besuchten. Immer wieder waren Aus- und Umbauten der Südschule geplant und wurden teilweise auch durchgeführt, aber trotzdem klagte man ständig über Raummangel. Während und nach dem 1.Weltkrieg kam es wegen der Einquartierung deutscher Soldaten im Schulgebäude und aufgrund von Brennstoffmangel des öfteren zum Unterrichtsausfall. Anfang 1919 mußte die Schule wegen totaler Verunreinigung und starkem Ungezieferbefall geschlossen werden, und vom 10.1.-4.4.1919 wurde der Unterricht aller städtischen Schulen zusammengelegt und etappenweise in der Nordschule vermittelt. Ebenfalls 1919 führte man in der Südschule zwei neue Klassen des 2. und 3. Schuljahrs ein, die aber aufgrund von Raumnot in der Nordschule bzw. der Katholischen Schule unterrichtet werden mußten.
Auch in den 1920er Jahren kam es wegen Brennstoffmangel oder Epidemien des öfteren zu Schulausfall. 1922/23 besuchten 898 Schüler und Schülerinnen auf 19 Klassen verteilt die Südschule, und weil 1923/24 eine weitere Klasse eröffnet wurde, richtete man am 1.10.1923 neben den zwei bereits ausquartierten Schulklassen noch eine fliegende Klasse ein, da die Schule nur über 17 Klassenräume verfügte.

Am 26.5.1933 wurde die Südschule im Rahmen einer schulischen Weihefeier aufgrund eines NSDAP - Antrags in ""Horst - Wessel - Schule" umbenannt, obwohl der neue Schulname von Eltern und Schülern im Alltag wegen seiner Umständlichkeit kaum benutzt wurde. Im Schuljahr 1933/34 bestand die Schule aus 12 Grundschulklassen sowie 8 Klassen der oberen Jahrgänge, wovon jeweils 8 ausschließlich Knaben- bzw. Mädchenklassen waren, da das 1. und 2. Schuljahr koedukativ unterrichtet wurde. Insgesamt setzte sich die Schülerzahl aus 443 Jungen und 450 Mädchen zusammen. 1934 stieg die Anzahl der Schüler auf 931, aber in den folgenden Jahren nahm sie wie in der Judenschule rapide ab, so daß 1938 nur noch 773 Jungen und Mädchen die Südschule besuchten. 1938 führte man an der Schule eine neue Zählung der Klassen ein, wobei die bisherige Zählweise mit römischen Ziffern von oben nach unten durch eine neue mit arabischen Zahlen von unten nach oben ersetzt wurde.
Am 10.8.1939 feierte man an allen Marburger Volksschulen die Einführung der "Deutschen Gemeinschaftsschule". Die Südschule wurde im gleichen Schuljahr um 3 Grundschulklassen verkleinert, so daß die 8 Grundschulklassen sowie die 8 Klassen der oberen Jahrgänge nun alle im Hauptgebäude untergebracht werden konnten. Von 1939-1941 waren im Schulgebäude derSüdschule auch alle Klassen der Schlageterschule untergebracht, und es kam wegen Kohlemangels wieder häufiger zu Schulausfall. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde die Südschule bis zur kurzfristigen Beschlagnahmung als deutsches Lazarett benutzt.

Ansicht der Otto-Ubbelohde-Schule vom Schulhof aus gesehen

Am 1.10.1945 wurde die Schule als "Volksschule Süd" wieder eröffnet, aber bis 1946 fand der Schulbetrieb nur unregelmäßig statt. Zwischen 1946 und 1948 kam es zur fast vollständigen Aufhebung der Geschlechtertrennung in den Klassen, so daß 1948 in den insgesamt 28 Schulklassen in 24 Jungen und Mädchen gemischt unterrichtet wurden.
1949 wurden der Fremdsprachenunterricht in Form von Sonderkursen für Englisch, sowie Nachhilfekurse für Zurückgebliebene der Unterstufe in der Volksschule eingerichtet. Am 1.10.1949 wurde die Schule in zwei Systeme geteilt, in die Südschule A mit 18 Aufbauklassen und in die Südschule V mit 12 Volksschulklassen. 1950/51 besuchten 1217 Kinder in 26 Klassen die Schule, und das 9. Schuljahr wurde auf freiwilliger Basis eingeführt.
Am 1.4.1953 wurde die Südschule in "Otto - Ubbelohde - Schule" nach dem bekannten Marburger Maler und Zeichner umbenannt. Es herrschten aber auch weiterhin akute Raumnot sowie Mangel an Unterrichtsmitteln.

In den 60er Jahren kam es auch zu einem Aufschwung an den Schulen, der sich in einigen Schulneubauten und Renovierungsmaßnahmen zeigte. In der Ubbelohde - Schule wurden zwischen 1964 und 1966 ein Physikraum sowie ein Fotolabor eingerichtet und die Schule im Sommer 1967 von Koks- auf Ölheizung umgestellt. Parallel dazu fand aber auch ein starker Schülerrückgang statt, so daß 1963 nur noch 290 Kinder diese Schule besuchten. 1965 wurde das 9. Schuljahr als allgemeine Pflicht eingeführt.

Heutige Ansicht der Fronhofschule

Da 1967/68 die Oberstufe nur noch aus 64 Schülern, die Unterstufe hingegen aus 174 Schülern bestand, verteilte man mit Schuljahresbeginn 1968 die älteren Jahrgänge auf die anderen Schulen, während in der Otto - Ubbelohde - Schule nur noch die Grundschulklassen 1-4 sowie 3 Sonderschulklassen für Sprachbehinderte und die Vorschulklassen unterrichtet wurden. Anfang 1970 wurden die Sonderschulklassen in die "Sonderschule für Sprachbehinderte" umgewandelt, die den Namen "Fronhofschule" erhielt.
1986/87 wurde an der Ubbelohde - Schule ein Modellversuch gestartet, in dem die vierjährige Grundschule durch eine sechsjährige ersetzt werden sollte, so daß die Schüler in ihrem ursprünglichen Klassenverband auch im 5. und 6. Schuljahr an ihrer Grundschule weiterhin unterrichtet werden.
Seit 1987 ist das Schulgebäude nicht mehr in die Grundschule und die Sonderschule geteilt, denn die Fronhofschule erhielt ein eigenes Gebäude, ebenfalls in der Schulstraße. Dementsprechend befindet sich heute im Schulgebäude der "Otto - Ubbelohde - Schule" nur noch die Grundschule, allerdings immer noch einschließlich der Klassen des 5. und 6. Schuljahrs.

Literatur: Erhart Dettmering/Rudolf Grenz (Herausgeber): "Marburger Geschichte - Rückblick auf die Stadtgeschichte in Einzelbeiträgen", Marburg 1980.
Magistrat der Universitätsstadt Marburg (Herausgeber): "Kirche und Schule im nationalsozialistischen Marburg", als: Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur Bd. 18, Marburg 1985.
"Die Geschichte der Otto - Ubbelohde - Schule 1887-1987", als maschinenschrift- liches Manuskript im Stadtarchiv Marburg.

Zusammengestellt von Sabine Dietzsch


© 2005  E-Mail , Stand: 08.03.2005