Zweiter Hilfseinsatz der Archivschule in Köln
 
Erneut kam es zu einer Hilfsaktion für das Historische Archiv Köln. Am 19. und 20. Juni war ein Team aus 28 Helfern vor Ort, bunt gemischt aus Archivschülern, Dozenten, Mitarbeitern der an der Archivschule angesiedelten Retrokonversionsstelle und Auszubildenden des Staatsarchivs Marburg.
Dort absolvierten alle eine Früh- und eine Spätschicht. Ähnlich wie bei der ersten Hilfsaktion im März, mussten die geborgenen Dokumente grob vorsortiert werden. Die Arbeitsläufe wie auch die Sicherheitsregelungen waren nach drei Monaten Rettungsaktion deutlich ausgefeilter und professionalisierter. Die geretteten Schriftstücke lagen in allen denkbaren Zuständen vor – von sauberen, komplett erhaltenen Akten und Amtsbüchern bis hin zu völlig zerfetzten Stücken. Soweit erkennbar, notierten die Helfer dann Bestandsnummern und Signaturen. Weiter bereiteten sie das vorsortierte Material noch einmal zur Trocknung vor – alles, was sich im „Erstversorgungszentrum“ in einer Kölner Halle befindet, kommt noch einmal plan gelegt zur Trocknung in Räume mit Heizlüftern, die etwa für eine Raumtemperatur von 25 bis 30 Grad sorgen. Einige der angehenden Marburger ArchivarInnen verpackten die getrockneten Dokumente in Kartons – von dort wird das gerettete Archivgut vorübergehend in diverse Archive in Nordrhein-Westfalen transportiert. Derzeit hätten rund 15 Archive Bestandsreste aus Köln aufgenommen, sagte Dr. Max Plassmann vom Historischen Archiv Köln. Er konnte auch mit der erfreulichen Nachricht aufwarten, dass etwa 85 Prozent der verschütteten Archivalien hätten geborgen werden können. Die restlichen 15 Prozent befänden sich allerdings in einer tiefen Zone der Unglücksstelle Severinstraße nahe einer Spundwand, unter der das Wasser vor dem Einsturz absickerte. Diese Archivalien seien somit sehr gefährdet. Vordringliches Ziel sei aber nach wie vor, Schimmel auf den wertvollen Dokumenten zu vermeiden. Auch wenn der Zustrom an Helfern allmählich abebbe, so Plassmann, seien immer noch ausreichend Archivare im Einsatz. Allerdings hoffe er noch auf weitere Restauratoren, deren fachliche Qualifikationen momentan besonders benötigt würden.
 
Peter Maresch, 46. Fachhochschulkurs
Archivschule in Köln
Die Helfer aus Marburg vor dem Shuttle-Bus der KVB (Foto: T. Frank)