„Szerokiej drogi“ oder der 52. WL auf großer Fahrt!

Das Ende der Sommerferien der Archivschule Marburg läutete für den 52. Wissenschaftlichen Lehrgang den Start der Großen Exkursion ein. Am 3. September war es soweit und zu früher Stunde ging es mit dem Bus nach Polen. Die große Exkursion des 52. WL, bei der die Archivsparten eines europäischen Landes besichtigt werden, führte in diesem Jahr nach Breslau mit einem kurzen Abstecher nach Krakau.

Auf dem Weg gen Osten sorgte zunächst das Sächsische Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden für ein lohnendes Zwischenziel. Neben einer Führung durch das Archivgebäude, welches erst vor wenigen Jahren saniert wurde und einen modernen Magazinneubau erhielt, erlaubten Frau Dr. Essegern und Frau Tonert den Referendaren/-innen einen Einblick in die Digitalisierung des Sächsischen Staatsarchivs. Hierbei fanden sich in den zu digitalisierenden Unterlagen einige Kuriositäten, wie etwa Zeichnungen zum Amerikanischen Bürgerkrieg auf der Rückseite einer sächsischen Karte oder die Auflistung der persönlichen Eigenschaften sächsischer Offiziere in Tabellenform mit Planentensymbolen.

Nach Ankunft in Breslau startete der Tag mit einer historischen Stadtführung, welche die Entwicklung der Stadt mit allen Zäsuren darlegte. Für die Überlieferungsbildung der Stadt und der Region ist dies nicht unwichtig, wie der anschließende Besuch beim Staatsarchiv Breslau zeigte. Dort begrüßten Frau Mgr. Sokołowska und der Direktor des Archivs, Herr Dr. Janusz Gołaszewski, die Besucher mit zahlreichen Buchgeschenken. Anschließend folgte eine Führung durch die Arbeitsbereiche des Gebäudes, das in den 1930er Jahren als Arbeitsamt gebaut wurde. Im Lesesaal und im Magazin wurden unterschiedliche Bestände präsentiert, darunter etwa die deutschen Personenstandsregister oder die reichhaltige Fotosammlung zur Stadt. Abschließend zeichnete Frau Mgr. Sokołowska ein Bild von der polnischen Archivlandschaft und den Verbindungen zwischen den einzelnen Archivsparten.


Der 52. WL bei der Begrüßung im Staatsarchiv Breslau. Bild: Mathias Schafmeister

Am Mittwoch, dem 5. September, brach der Lehrgang zu früher Stunde nach Krakau auf, um dort das Nationalarchiv Krakau zu besuchen. Bereits im Vorfeld hatte der Leiter der Abteilung III, Herr Aleksander Korolewicz, auf die umfangreiche Internetpräsentation seines Archivs hingewiesen. Zur Vorstellung der Institution selbst ging es aber nun in einen wohl temperierten Gewölbekeller, in dem ein kurzweiliger Vortrag über die Arbeit des Archivs und eine Zimelienschau, insbesondere zu der mittelalterlichen Überlieferung und den Unterlagen der jüdischen Bevölkerung, stattfand. Vor der nächtlichen Rückfahrt nach Breslau hatten die Referendare/-innen noch Gelegenheit, die kulturelle Vielfalt der Stadt Krakau kennenzulernen.


Empfang im Innenhof des Nationalarchivs Krakau. Bild: Mathias Schafmeister

So wie die gesamte Exkursion unter einem guten Stern hinsichtlich des Wetters stand, so bildeten auch das Architekturarchiv und das Stadtarchiv einen glänzenden Schlusspunkt in Breslau. In der ersten Institution offenbarte der Kustos, Herr Lukasz Postrozny, die Bedeutung der preußischen Bauakten für das Archiv, das weiterhin über eine große Bandbreite an Unterlagen von Architekten verfügt. Im zweiten Archiv wurde schließlich deutlich, in welchem Rahmen kommunale Überlieferung in Abstimmung mit dem staatlichen Archivwesen stattfindet. Das Stadtarchiv selbst befindet sich in einem ehemaligen Luftschutzbunker, der durch Baumaßnahmen an moderne archivische Ansprüche angepasst wurde. In einem nahezu simultan übersetzten Vortrag des Leiters des Stadtarchivs, Herrn Prof. Rościsław Żerelik, wurden bei Kaffee und Kuchen zwischen dem Leitungsteam des Archivs und den Lehrgangsteilnehmern/-innen alle offenen Fragen erörtert.


Das Stadtarchiv Breslau im ehemaligen Bunker. Bild: Mathias Schafmeister

Die Rückfahrt am Freitag führte wieder über Dresden und zwar in die dortige BStU, in der nach dem Empfang durch Frau Liebscher, die Unterlagen der Stasi präsentiert und deren Bedeutung in einem weiterführenden Vortrag geschildert wurden.

Die Exkursion nach Breslau und Krakau hat insgesamt nicht nur interessante Einblicke in das polnische Archivwesen geboten, sie hat zudem in einer äußerst angenehmen und von allen Seiten begeisterten Atmosphäre stattgefunden. Eine solch gelungene Fahrt zu steigern, dürfte schwierig werden. Zunächst aber bleibt allen Teilnehmern/-innen der Exkursion und den Kollegen/-innen unseres Nachbarlandes herzlich für den freundlichen Empfang zu danken. Do widzenia!

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