Ein Exot und ein Archivneubau
24. September 2026
Die Studierendengruppe und der stellvertretende Leiter des Landeskirchlichen Archivs, Dr. Daniel Schönwald, vor dem Archivgebäude, Fotografin: Dr. Irmgard Christa Becker
Die letzte Tagesexkursion des Jahres 2026 hatte Nürnberg zum Ziel. Noch im Dunkeln brach die Gruppe unter der Leitung von Dr. Irmgard Christa Becker nach Nürnberg auf. Am ersten Ziel, dem Historischen Archiv des Germanischen Nationalmuseums, präsentierte Dr. Matthias Nuding einen interessanten Einblick in vielfältige Bestände. Für die an den strengen Regeln des staatlichen Archivwesens geschulten Studierenden war es eine neue Erfahrung, Einblick in ein Archiv ohne echten Sprengel zu bekommen. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 war 1852 das Germanische Nationalmuseum mit historischem Archiv gegründet worden. Das Archiv sollte Archivgut aus dem ganzen deutschsprachigen Raum sammeln, gewissermaßen ein Zentralarchiv ohne Nationalstaat. Entsprechend bunt sind die Bestände. Sie umfassen Urkunden, Akten und Amtsbücher aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Darunter sind Familienarchive aus Nürnberg und anderen Regionen, unter anderem aus der Familie von Wolkenstein in Südtirol, illuminierte Urkunden, Autographen und Materialien zur Wissenschafts- und Handwerksgeschichte. Enthalten ist auch das Deutsche Glockenarchiv, das Materialien zu ca. 16.000 Kirchenglocken enthält, die im zweiten Weltkrieg beschlagnahmt wurden, um sie einzuschmelzen. In der Diskussion wurde deutlich, dass das Sammlungsgebiet auch heute noch kulturhistorische Materialien aus dem deutschsprachigen Raum umfasst und eher vage definiert ist.
Nach der Mittagspause, die in der Altstadt von Nürnberg individuell gestaltet wurde, besichtigte die Gruppe das Landeskirchliche Archiv der evangelischen Kirche in Bayern, das in einem modernen Archivzweckbau untergebracht ist. Das Archiv verwahrt die Unterlagen der Kirchenverwaltung und die Pfarrarchive, soweit die Gemeinden sie abgegeben haben. Die ca. 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs arbeiten derzeit an der Einrichtung eines digitalen Archivs und an der digitalen Zugänglichmachung der Findmittel. Ein großer Teil der Findmittel ist inzwischen digitalisiert und wird demnächst online bereitgestellt. Nach der Einführung in die Bestände und die Aufgaben des Archivs stellten Dr. Daniel Schönwald und Peter Halicska den gut ausgestatteten Magazinbau mit moderner Lüftungsanlage und den sehr schönen Lesesaal vor. Sie gingen auf den energie- und kosteneffizienten Betrieb des Magazins ein und zeigten beeindruckende Stücke aus dem Bestand, unter anderem Schreiben von drei Reformatoren.
Mit diesen beiden, sehr verschiedenen Archiven endet die Reihe der Tagesexkursionen 2026.