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Call for Papers

31. Archivwissenschaftliches Kolloquium

31. Archivwissenschaftliches Kolloquium

Überlieferungsbildung und Bewertung. Perspektiven einer Fachdiskussion

31. Mai und 1. Juni 2027

Call for Papers

Programmskizze:

Die Methodendebatte der 1990er Jahre und die Arbeit an den Dokumentationsprofilen in den 2000er Jahren haben die archivische Überlieferungsbildung nachhaltig geprägt. Seither ist es um ihre Grundsatzfragen stiller geworden, obwohl sich ihre Bedingungen erheblich verändert haben: Digitale Entstehungskontexte, knappe Ressourcen, gestiegene Erwartungen von Politik und Öffentlichkeit sowie eine pluraler gewordene Gesellschaft stellen etablierte Konzepte auf den Prüfstand. Das 31. Archivwissenschaftliche Kolloquium nimmt die Fachdiskussion deshalb grundsätzlich wieder auf.

Das Kolloquium findet in Kooperation mit dem Arbeitskreis Archivische Bewertung des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. statt. Es steht in bewusster Nachbarschaft zum 94. Deutschen Archivtag 2027 in Suhl, der unter dem Rahmenthema „Stiefkind oder Königsdisziplin? Archivische Überlieferungsbildung heute" die breite fachöffentliche Debatte führen wird: Das Kolloquium bietet den Raum für die vertiefte konzeptionelle Auseinandersetzung, der Archivtag den für Praxis und Breitenwirkung. Einreichungen zu beiden Veranstaltungen sind möglich und erwünscht; inhaltsgleiche Beiträge können nicht doppelt eingereicht werden.

1 Bewertung als strategische Managementaufgabe: Ziele und Zuständigkeiten der Überlieferungsbildung.

Strategisches Management bei der Bewertung ist zunächst die Frage nach der Konzeption. Jedes Archiv entscheidet bewusst oder unbewusst, ob es ein Konzept der Überlieferungsbildung erarbeitet. Wenn man sich für ein solches Konzept entscheidet, ist zuerst der Bezugspunkt – Staat oder Gesellschaft – zu klären und mit welchem Ansatz das Konzept erarbeitet werden soll. Die Umsetzung erfordert eine Priorisierung der Bewertungsprojekte und eine Entscheidung über Modelle, Methoden und Kriterien, die angewandt werden sollen. Zugleich ist abzuwägen, wieviel ungeplante Reaktionsfähigkeit bei der Durchführung der Bewertung nötig ist, wenn Unterlagen angeboten werden.

Die Konzeption der Bewertung erfordert zwangsläufig auch eine Einschätzung der Ressourcen, die für die Bewertung zur Verfügung stehen und eine Entscheidung über die Minimalanforderungen, die für gute Bewertung erfüllt sein müssen. Welchen Einfluss haben digitale Verfahren auf die Bewertung? Sorgen sie für eine Beschleunigung? Machen sie Bewertung überflüssig? Sind Bewertungskonzepte aufgrund des hohen Aufwands bei der Erarbeitung überhaupt noch zielführend?

2 Repräsentation und Teilhabe in der Überlieferungsbildung. Die Erweiterung archivischer Perspektiven in einer pluralen Gesellschaft

Öffentliche Archive bewerten in der Regel angebotene Unterlagen aus einer Verwaltung. In einer pluralistischen Gesellschaft stellt sich die Frage, ob damit andere Sichtweisen als die der Verwaltung in der archivischen Überlieferung ausreichend berücksichtigt werden. Welche Möglichkeiten gibt es, die Bürgerinnen und Bürger oder staatsferne gesellschaftliche Gruppen an der Überlieferungsbildung zu beteiligen oder zumindest ihre Sichtweisen stärker in den öffentlichen Archiven zu spiegeln? Wo liegen die Grenzen dieser Partizipation? Sind private Archive die Lösung für die Abbildung gesellschaftlicher Entwicklungen? Wie können öffentliche und private Archive so zusammenarbeiten, dass sie gemeinsam eine Überlieferung bilden, die die gesellschaftliche Entwicklung abbildet? In diesen Themenbereich sind Beiträge zur Einbeziehung von Minderheiten und bislang unterrepräsentierter Gruppen in die Überlieferungsbildung sehr willkommen.

3 Modelle und Verfahren im internationalen Vergleich. Bewertungsansätze, Standards und institutionelle Praxis

Die deutsche und die internationale Bewertungsdiskussion laufen zeitweise nebeneinander her, zeitweise berühren und beeinflussen sie sich gegenseitig. In Deutschland liegt die Bewertungskompetenz ausschließlich bei den Archiven, in anderen Ländern ist das oft nicht so. Bewertung in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen, wird im englischsprachigen Raum seit den 1980er Jahren diskutiert. In Deutschland begann diese Diskussion schon Anfang der 1970er Jahre. Sie wurde in den 2000er Jahren wieder aufgegriffen und hat die Bewertung in deutschen Archiven nachhaltig beeinflusst. Die Diskussion über die Einbeziehung von Minderheiten in die Bewertungsdiskussion wird im englischsprachigen Raum seit etwa 20 Jahren geführt, in Deutschland nimmt sie erst seit einigen Jahren Fahrt auf. Es lohnt sich also die verschiedenen Ansätze miteinander zu vergleichen und die Frage zu stellen, wie im internationalen Raum Bewertung gesehen und diskutiert wird.

In diesem Themenbereich wird der Arbeitskreis Archivische Bewertung des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare die Vorträge bestimmen. Als Grundlage wird ein Call for Papers auf Englisch veröffentlicht.

4 Ethische Fragen der Überliefungsbildung (Workshop) Ethische Dimensionen archivischer Bewertung. Verantwortung, Auswahlentscheidungen und Grenzen der Überlieferung

Diesen Themenkomplex wird der Arbeitskreis Archivische Bewertung des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare als Workshop konzipieren.

Der Themenbereich soll folgende Fragestellungen und Themen umfassen:

Was ist überhaupt Ethik in der Bewertung? Welche ethischen Fragen sind in der Bewertung zu stellen? In vielen angebotenen Unterlagen sind sensible, personenbezogene Daten zu finden. Welche ethischen Fragen sind im Spannungsfeld von Anonymisierung und Übernahme von offengelegten Daten zu beachten? Gibt es Daten oder Bilder, die aus ethischen Gründen nicht übernommen werden sollten? Unterliegen Bewertungsentscheidungen der Logik von Kategorisierungen und Zuschreibungen? Verblassen ethische Fragen im Lauf der Zeit? Welche Rolle spielen fachliche Unabhängigkeit und Transparenz, wenn Bewertung unter politischen oder institutionellen Erwartungsdruck gerät? Braucht das Archivwesen ein präziseres Berufsethos und wenn ja, was müsste es leisten, dass Archivgesetze, Leitbilder und der ICA Code of Ethics nicht bereits leisten?

 

Vorschläge für Vorträge in Deutsch oder in Englisch für die Themenbereiche 1 und 2 in Form von Abstracts (Dateiformat pdf) werden bis zum 30. September 2026 an die E-Mail-Adresse geschaeftszimmer@archivschule.de erbeten. Sie sollen max. eine DIN-A-4-Seite umfassen und den Titel des Beitrages sowie den Namen des Autors oder der Autorin und seine oder ihre Kontaktdaten enthalten. Wir planen mit drei Vorträgen plus Diskussion in jeder Sektion (90 min), die Vorträge sollten also etwa 20 min dauern.

Die Vorträge werden voraussichtlich in Präsenz in Marburg vor Publikum gehalten und zusätzlich gestreamt werden. Die Übernahme von Reise- und Hotelkosten der Vortragenden ist in begrenztem Umfang möglich.

Für Rückfragen steht Dr. Irmgard Christa Becker irmgard.becker@archivschule.de zur Verfügung.

Nach der Tagung werden die Beiträge in der Veröffentlichungsreihe der Archivschule Marburg publiziert.

Das 31. Archivwissenschaftliche Kolloquium findet in Kooperation mit dem Arbeitskreis Archivische Bewertung des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. statt.

 (Dieser Entwurf im PDF-Format, Dateigröße: 171KB)

 

Marburg, 15. Juli 2026

31st Archival Science Colloquium (in English)

31st Archival Science Colloquium

Formation of a Documentary Heritage and Appraisal. Perspectives on an Archival Debate

31st May and 1st June 2027

Call for Papers

Program outline

Since the 1990s, the German debate on appraisal has been characterised by a methodological debate centring on top-down approaches (documentation strategies) and bottom-up approaches (horizontal and vertical appraisal). This fundamental debate has subsided in recent years, even though the foundations of appraisal have changed considerably: Digital records, scarce resources, heightened expectations from politicians and the public, and a society that has become more pluralistic are putting established concepts to the test. The 31st Archival Science Colloquium is therefore fundamentally reviving this specialist discussion.

The first thematic area focuses on appraisal as a strategic management task. The presentations will outline management tasks at both the strategic and operational levels. Issues of prioritisation and resource allocation will also be addressed. The second thematic area focuses on how civil society and marginalised groups can be integrated into appraisal. It will explore the possibilities and limitations of participation, as well as the role of private archives.

The third thematic area is intended to facilitate a comparison with the international debate on appraisal. For this thematic area, we welcome presentations from the international archival community:

3 Models and procedures in an international comparison. Appraisal approaches, standards and institutional practice

The German and international debates on appraisal sometimes run parallel to one another; at other times, they intersect and influence one another. In Germany, the responsibility for appraisal lies exclusively with the archives; in other countries, this is often not the case. The idea of placing appraisal within a social context has been under discussion in the English-speaking world since the 1980s. In Germany, this debate began as early as the early 1970s. It was revived in the 2000s and has had a lasting influence on appraisal in German archives. The debate on the inclusion of minorities in the appraisal discourse has been ongoing in the English-speaking world for around 20 years; in Germany, it has only gained momentum in the last few years. It is therefore worthwhile to compare the various approaches and to ask how appraisal is viewed and discussed in an international context. Which concepts and models are being discussed and applied among our European neighbours and overseas? How do they influence one another? How are they embedded in society? Even where topics overlap with Thematic Area 2 – for example, regarding the participation of social groups – the focus of this thematic area remains on comparative analysis of systems.

Proposals for presentations in German or English in the form of abstracts (pdf file format) are requested by 30th September 2026 to the e-mail address (geschaeftszimmer@archivschule.de). They should not exceed one page (DIN A4) and should include the title of the paper as well as the author's name and contact details. We are planning three presentations plus discussion in each section (90 min), The lectures should therefore last about 20 minutes.

The lectures will probably be held in front of an audience in Marburg and will also be streamed. Proposals from the international arena are expressly welcome. Speakers from overseas are asked to deliver their presentations, preferably via video conference. Travel and hotel costs of the speakers may be covered to a certain extent.

If you have any questions, please contact Dr. Irmgard Christa Becker (irmgard.becker@archivschule.de).

After the conference, the contributions will be published in the publication series of the Marburg Archives School.

The 30th Archival Science Colloquium is being held in cooperation with the Working Group on Archival Appraisal of the Association of German Archivists (Arbeitskreis Archivsche Bewertung des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.).

Translated with DeepL.com (free version)

(This English version in PDF, file size: 147KB)

Marburg, 15. Juli 2026